Dienstag, 24. April 2012

Was steckt drin im Honig?

Ende letzten Jahres haben wir ein Glas unserer Sommerblüte mit Linde zur Pollenanalyse ans Länderinstitut für Bienenekunde in Hohen Neuendorf gegeben. Bei der Pollenanalyse wird untersucht welche Pollen (von welcher Pflanze) jeweils mit welcher Häufigkeit in der Honigprobe vertreten sind. Da dafür bisher keine modernere Technik als ein normales Mikroskop zu Verfügung steht, wird der Pollen nach wie vor "per Hand" ausgezählt (für gewöhnlich werden dabei insgesamt 500 Pollenkörner betrachtet).

Der Pollen gelangt einerseits durch Nektar sammelnde Bienen, die bei ihren Blütenbesuchen auch immer ein paar Pollenkörner mitnehmen, in den Honig. Eine Biene die an einer Linde Nektar sammelt, mischt unabsichtlich auch immer etwas Lindenpollen in den Nektar.
Andererseits gelangt der Pollen auch zufällig, innerhalb des Bienenstocks in den Honig. Pollen von Obstbäumen kann also auch nach Wochen irgendwann einmal in einen Lindenhonigtropfen fallen.
Auch spielt es eine Rolle wie viel Pollen eine Pflanze produziert. Eine Linde produziert im Gegensatz zu Robinie wenig Pollen. Auch das zeigt sich später im Honig. 

Analysebericht der Sommerblüte

Auch die Analyse unserer Probe ergab einiges Aufschlussreiches.
Die Sommerblüte mit Linde wurde letztes Jahr bei uns am 1. Juli geschleudert. Zu diesem Zeitpunkt war die Lindenblüte bereits vorbei und die Blüte des Götterbaumes stand in vollen Zügen. Auch die Edelkastanie blühte zu diesem Zeitpunkt.
Die Pollen von Götterbaum und Linde sind auch in der Sommerblüte relativ stark vertreten und auch Pollen von der Edelkastanie ist vertreten, allerdings wachsen in Karlshorst zu wenige Edelkastanien, als das die Bienen hier viel Pollen und Nektar sammeln könnten.
Die erste Auffälligkeit der Analyse ist der Vergissmeinnicht-Pollen. Er findet sich in jedem Honig aus Berlin in relativ großer Konzentration. Als Pflanze, die sehr viel Pollen aber kaum Nektar produziert, spielt sie für den Geschmack des Honigs aber eine eher untergeordnete Rolle.
Auffällig ist auch, dass in der Probe auch geringe Mengen an Pollen von Spitzahorn und Obstbäumen vorkommen. Beide haben ihre Blütezeit im Frühling. Der Pollen kann hier also nur auf Umwegen innerhalb des Bienenstocks in den Honig gelangt sein.

Der eigentliche Sinn der Pollenanalyse ist folgender:

Wenn der Imker Sortenhonige wie Rapshonig, Lindenhonig oder Robinienhonig verkauft müssen die Pollen der entsprechenden Pflanzen mit einem bestimmten Mindestanteil vertreten sein.
Damit ein Honig Rapshonig heißen darf müssen hier mindestens 80 Prozent der Pollen von Raps stammen.
Bei Linden- oder Robinien-(Akazien-)honig sind mindestens 20 Prozent vorgeschrieben (beide Pflanzen produzieren wenig Pollen und viel Nektar; der Pollen ist hier unterrepräsentiert).
All das und noch viel mehr ist in der "Honigverordnung" und den "Leitsätzen für Honig" nachzulesen.   


Die Obstblüten locken zahlreiche Bienen zu Sammelflügen aus der Beute
Nach all der Theorie jetzt noch eine kurzer Bericht aus der Praxis.

Letzten Donnerstag haben wir das erste Mal geschaut, ob die Bienen in den Honigräumen bereits Waben gebaut haben. Leider waren die Bienen aufgrund der doch recht kalten Witterung die letzten Wochen nicht sehr fleißig und haben nicht gebaut. Ansonsten geht es allen Völkern gut, es wird kräftig gebrütet und bei einigen Völkern sind die Zargen auch schon sehr voll mit Bienen.
Wir hoffen, dass durch die wärmeren Temperaturen und die rasch einsetzende Obstblüte auch der Baueifer der Bienen geweckt wird. Für uns beginnt so langsam die Zeit der wöchentlichen Kontrollen an den Bienenvölkern, über alles Interessante was sich dabei ergibt werden wir hier berichten.
Zum Abschluss noch ein paar Impressionen:

Näher betrachtet sind auch immer Bienen mit großen Pollenhöschen zu sehen

In der Mitte der Wabe erkennt man zahlreiche verdeckelte Brutzellen, hier erblicken bald viele junge Bienen das Tageslicht


Blick ins Bienenvolk: alle Waben sind voll mit Bienen besetzt

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